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Der Weg

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G´schichtln & Wahrheiten



Auf halbem Weg des Blaufränkischweges erwarten Sie G´schichteln, die der Weinbau in früheren Tagen schrieb.
Es ist noch gar nicht so lange her, da fand man in den Horitschoner Weingärten "Weiathiata", man bekämpfte die "Gfrier" mit vorsintflutlich anmutenden, aber durchaus wirkungsvollen Mitteln und, was zweifellos doch schon länger her ist, man schnitt Weintraubendieben die Ohren ab.

Diese und ähnliche G´schichtln, wie zum Beispiel wir Horitschoner zu den "Gugafanga" wurden, können Sie mehr oder weniger bequem in unseren modernen "Blaufränkischsofas" sitzend lesen.


Von Verbrechern und Helden
Gerichtsverhandlung aus dem Jahr 1747

Angeklagte: 3 Nuß- und Weintrauben-Diebe
Zu rechtfertigen hatte sich ein junger Weingartenhüter, der die drei Täter nicht nur zur Rede stellte.

„Erstens: Es wird vermutet, dass zur Herbstzeit des Jahres 1747, als das Weingebirge in voller Reife stand, sich einige der gemeldeten Beschuldigten ins Weingebirge begeben haben. Dort sind sie durch den Hüter mit Schlägen traktiert worden. Wer es getan hat und warum es geschehen ist, soll geklärt werden.“

Die Niederschrift führt weiter aus, dass die Beschuldigten während der Zeit des Weingartenhütens des öfteren gekommen waren und vor allem Nüsse von den Bäumen stahlen. Trotz Verwarnung und Androhung von Schlägen durch den Weingartenhüter Michael Haydenreich, 22 Jahre alt, kamen sie immer wieder.
Die weiteren Ausführungen zeigen, dass man das Hüten der Weingärten damals offensichtlich sehr effizient betrieb:

„Der Hüter nahm sein Hüter-Hackl und schlug sodann (dem János) mit dem Stiel zweimal über den Buckel (Rücken), außerdem schimpfte er noch ordentlich. … Dann sind die drei Angeklagten nach Hause, der Hüter aber ist in seine Hütte gegangen. Er hat auch künftighin keinen mehr im Weingebirge, schon gar nicht in seiner Hütte zu Gesicht bekommen.“

Generell ist zu sagen, dass Weintraubendiebstahl in alter Zeit eben nicht gerade als Kavaliersdelikt angesehen wurde. In manchen Berichten ist als Strafe dafür sogar das Abschneiden der Ohren überliefert.

Quelle: Prof. Dr. Adalbert Putz, aus alten Aktenstücken

Fia a hoiwats Fiata
Die Aufgaben der „Waiathiata“

Weingartenhüter traten in alter Zeit ihren Dienst meist am 15. August an. Bis in den November hinein bewachten sie in den Weingärten Tag und Nacht (sie schliefen in eigenen Hütten) die Trauben, um sie vor Diebstahl zu bewahren. Täglich brachten ihre Frauen oder sonstige Angehörige das Essen hinaus.
Dass die Hüter mit der Aufpassertätigkeit begonnen hatten, wurde mit dem Aufstellen von „Hüterbäumen“ (meist junge hohe Birken) an den Ortseingängen signalisiert.
Bei der Weinlese bekamen die „Waiathiata“ ihren Lohn. Sie suchten jene Weingärten auf, in denen die Traubenernte gerade im Gange war, und erhielten jeweils „a hoiwats Fiata“ (ein halbes Fürtuch) voll Weintrauben und etwas Geld.
Nach und nach kamen die „Hüterhackl“ aus der Mode, und mehr oder minder große Prügel ersetzten die alten „Standeszeichen“. Später gab man den Weingartenhütern auch Schusswaffen mit in ihren Dienst. So steht etwa diesbezüglich in einem alten sogenannten „Currentialbuch“ der Gemeinde Lutzmannsburg:

Vom k.k. Stuhlrichteramte vom 5. Juli 1855, eingelangt am 9. Juli 1855, die zwei Waffenpässe für die Weingart- und Waldhüter Tobias Hirschler und Gottlieb Weber zur Zustellung mit dem bedeuten, dass für jeden etwaigen Missbrauch derselben der Gemeinde-Vorstand verantwortlich sein wird.

Erled. Die zwei Waffenpässe wurden den Betreffenden am 16/7 l.J. eigenhändigt und dieselben ermahnet, sich genau nach der darauf befindlichen Vorschrift zu halten.

Und in einem „Weingebirgs-Statut“ aus der Zeit um 1900 ist schon sehr detailiert aufgelistet, was die Hüter alles zu tun hatten, was im Weingebirge erlaubt war bzw. wie hoch die Strafen bei den einzelnen Vergehen angesetzt waren. Einige Beispiele daraus:

1. Das Weingebirg steht unter der Aufsicht einer Gebirgskommission und der Hüter.
14. An Sonn- und Feiertagen ist das Gebirg nur nachmittags, von 2 Uhr Nachmittag bis Sonnenuntergang, offen.
15. Trauben- und Obstdiebe werden mit 10 Kr bei Tag, nachts mit 20 Kr bestragt, wenn sie erwischt werden.
20. Im Gebirg dürfen Fremde nicht herumgehen oder herumfahren. Dawiderhandelnde werden mit 2 bis 6 Kr bestraft.
26. Sollten Strafgelder nicht eintreibbar sein, in dem Fall wird der Betroffene vom Bergmeister betreffs Abstrafung dem löblichen Stuhlrichteramte angezeigt.

In jüngerer Zeit wurde der Bewachungs-Dienst nur noch tagsüber versehen, meist auch nicht mehr durch wehrhafte junge Männer, sondern durch Pensionisten. In den 1960er und 70er Jahren schließlich liefen in den meisten Blaufränkischland-Gemeinden die Wache-Tätigkeiten der Weingartenhüter allmählich aus.

Nach französischem Vorbild
Kampf der „Gefrier“

Über die Abwehrmöglichkeiten von Frostschäden aus dem Buch „Gründlicher Unterricht, die besten französischen Obstbäume zu pflanzen, zu pflegen, und derselben Früchte zu benutzen“ (initiiert und gefördert von Fürst Nikolaus Esterházy)

Dass Gefrier und Reifen in den Weinbergen und Gärten grosses Unheil anrichtet, ist bekannt. Um diesem vorzukommen und zu lindern gibt es verschiedene Mittel und Wege.
Die Erfahrungsversuche aus Frankreich und anderen Gegenden haben uns schon viele Jahre gelehret, dass ganze Rebberge und Bäume in den Gärten vor Gefrier und Reifen im Frühlinge sind bewahret worden, durch das Räuchern, wodurch für viele Tausend Gulden in einem Morgen ist gewonnen worden.
Alle Jahre werden schon im Herbste zur Vorsorge an der Nordost- und auch Nordwestseite auf den Anhöhen alle 100 Schritte längs den Weinbergen hin Haufen von Moose, Holzspänen, Dorn, Reisern, und allerley Gemiste etc. aufgesetzt, welche von den Winzer, sobald im Frühjahre zu Nachts oft dem Weinstocke Gefahr drohet, um Mitternacht angezündet werden, und zwar der Gestalt, dass sie nur einen dicken Rauch, nie aber wirkliche Flamme, vornämlich an denjenigen Stellen zu Nachts geben, woher der Wind den Rauch am sichersten über die Weinberge verbreiten kann. Sobald eine Flamme hinter dem Qualme hervorlodert, so wird auf der Stelle der brennende Haufen mit Erde bedeckt, und während der Glut selbst derselbe öfters benässet, und mit naßgemachten Reiserbündeln sorgfältig jede kleine Flamme im Entstehen ausgelöscht, damit es in einem immerwährenden dicken Rauche unterhalten wird.

Wodurch natürlicher Weise, wenn alle Haufen angezündet sind, eine grosse Rauchwolke über die ganze Flur gezogen wird, welche die Reben vor dem Gefrieren allenthalben bewahret.
Und eben diese Hufen zündet man an um Mitternacht bey eingetretener Kälte; zu welcher Beobachtung Nachtwächter bestellet werden, um die Glocke anzuziehen, damit die Winzer dieses Geschäft anfangen. Bis zu St. Urbanstag, oder den 25. May, welches der kritische Tag der Weingärtner ist, wird diese Vorsicht mit aller Sorgfalt fortgesetzet.

So vorsintflutlich uns dieses „Heizen gegen den Frost“ auch erscheinen mag, viele Menschen im Blaufränkischland erinnern sich noch sehr gut an diese Tätigkeit, denn sie wurde in manchen Gemeinden noch bis in die frühen 1960er Jahre praktiziert.

Quelle: J. Fally, A. Gebert, "Blaufränkischland"

 

Es war einmal ein EichenwaldGwangerwald
Wie aus den Horitschoner die „Gugafanga“ wurden

Die Bewohner sehr vieler burgenländischer Gemeinden haben einen netten, liebevollen oder teilweise sogar derben in Mundart gesprochenen Spitz- oder Spottnamen.
Diese Namen haben sie von ihren Nachbarn oder den eigenen Bewohnern aufgrund irgend welcher Vorkommnisse oder spezieller Eigenheiten ihrer Einwohnern erhalten.

Der Sage nach, lebte in Horitschon im Eichenwald einmal ein Kuckuck. Dieser Kuckuck rief so laut, dass die Bewohner des Ortes beschlossen, ihn zu fangen und endgültig zum Schweigen zu bringen.
Gesagt, getan, wurde der Baum, auf dem der Kuckuck saß, umgesägt. Als der Baum fiel flog der Kuckuck auf den nächsten Baum. Die Horitschoner „Holzfäller“ folgten ihm und fällten den nächsten Baum. Wiederum floh der Kuckuck beim Fallen des Baumes und ließ sich auf der nächsten Eiche nieder.
Dieses Schauspiel wiederholte sich so lange bis der Kuckuck auf dem letzten noch verbliebenen saß. Nun gab es kein Entkommen mehr, so dachten die klugen Horitschoner und fällten auch den letzten Baum.

Sie staunten nicht schlecht, als sich der Kuckuck abermals erhob und abflog Richtung Raiding (Nachbardorf).
Seitdem werden wir Horitschoner von unseren Nachbarn liebevoll – oder auch nicht - „Gugafanga“ genannt.